Verein   der  Freunde   von   Marienbrunn  e.V.  

An der Marienquelle wird die Saga von der Maria jedes Jahr verlesen. Seit 3 Jahren gesellte sich nun auch das Johannismännchen hinzu. War der Johannistag des ausgehenden Mittelalters ein Tag des Gedenkens an die Verstorbenen und pilgerte man auf den Johannisfriedhof, so begab man sich im 18. Jahrhundert vor die Tore der Stadt und feierte am Marienbrunnen.
Die Verbindung zur alten Leipziger Volkssage vom Marienbrunnen, die ihren Anfang im Johannishospital nahm, war es, die den Verein der Freunde von Marienbrunn und die Johannistaler Kleingärtner zur Wiederbelebung der alten Bräuche zusammenbrachte. Man trifft sich am Johannistag um 19 Uhr am Marienbrunnen und lauscht der Mariensage und der Geschichte der Entstehung des Johannishospitals, der Gärten des Johannistales, hört den Connewitzer Posaunenchor und singt gemeinsam mit dem Gemeindechor Marienbrunn Volkslieder.
Der Ortsname Marienbrunn wurde von der Marienquelle (Marienbrunnen) abgeleitet.
Die Quelle befindet sich im Amselpark An der Tabaksmühle.
Anlässlich des jährlichen Johannisfestes wird an der Marienquelle die Saga von Maria vorgelesen.

Marienbrunn und die Sage von Maria

Der Sage nach führte 1441 die Pilgerin Maria Aussätzige hierher und ließ eine heilkräftige Quelle entspringen. Ab 1502 begann man, das Wasser durch Röhren in die Stadt Leipzig zu leiten. Anfang des 20.Jahrhunderts versiegte die Quelle. Sie wurde 1998 vom Verein der Freunde von Marienbrunn e.V. in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt restauriert.

Im Jahre 1441 klopfte kurz nach dem Neubau des Hospitals zu St.Georg eines Nachts eine junge Pilgerin an die Pforte desselben und bat um Aufnahme. Sie war wunderschön, verklärt in Unschuld und Liebe, kam aus dem Gelobten Lande und führte den Namen der hochgelobten Jungfrau Maria.
Als am anderen Morgen das Glöcklein von St.Johannes die unglücklichen Aussetzungen im Johannishospital versammelte, erhob sich Maria rasch von ihrem Lager, um dort am Laurentiusaltare zu beten. Sie wiederholte dann täglich ihr Gebet und entflammte durch ihre stumme Andacht laute Worte. Da kam endlich der Tag Johannes des Täufers, und das Glöcklein rief wiederum so brünstig und silberhell zum Gebete.
Maria wendete sich zu allen Kranken und Siechen in St. Georg und sprach in heiliger Begeisterung:"Im Namen Gottes sage ich euch, wer heute mir folgt, der wird gesunden." Und die Kräfte der Kranken stählten sich im Vertrauen zu der wunderbaren Pilgerin, und sie gingen mit ihr zum Altare des heiligen Laurentius, und ihre Herzen flogen voll Andacht im Gebete der schönen Jungfrau auf zum Himmel. Da sie gebetet hatte, erhob sich ihr Antlitz von den Stufen des Altars, wandte sich zu den Aussätzigen und sprach zu ihnen: " Im Namen Gottes sage ich euch, wer mir heute folgt, der wird gesunden." Da zog ihr viel Volk nach, Gesunde und Kranke, und sie ging die Straße gen Morgen bis auf die Höhe, von der man die Stadt überschaut, kniete nieder und betete lange. Und da sie aufstand vom Gebete, siehe, da sprudelte ein reiner Quell aus dem Boden,den ihr gebeugtes Knie berührt hatte, und alles Volk erstaunte, denn es war noch nie ein Quell daselbst zu finden gewesen.
Und Maria segnete den Quell und sprach: "Solange der Quell hier fließt, die Gnade sich ergießt." Und alles Volk fiel nieder und betete. Da zog Maria aus ihrem Pilgerkleid einen Kelch, den ihr ein sächsischer Priester in der Kapelle des heiligen Johannes zu Jerusalem gegeben hatte, um ihn dem Krankenhause für die Aussätzigen in seiner Vaterstadt Leipzig zu übergeben.Und sie füllte den Kelch mit dem Wasser des Quelles, hob ihre Hand zum Himmel und sprach:" Im Namen Gottes mag gesunden, wer heut den Weg hierher gefunden."
Damit reichte sie den Kelch denen, die von einer Krankheit überwältigt waren. und alles Volk trank daraus und fühlte der Gesundheit neue Lebenskraft mächtig durch die Adern rinnen. Und da alle getrunken hatten, nahm Maria den Kelch und gab ihn den Aussätzigen von St.Johannes, auf daß sie ihn bewahren möchten für ewige Zeiten nach dem Willen des Gebers. Maria aber kehrte nicht zurück nach der Stadt. Im Garten des Probstes zu St.Thomas war ein weißes Reh, das zwar zahm wie ein Lamm, lief oft ungestört durch die Straßen der Stadt, und alle Leute hatten das zarte Tierlein lieb. Da Maria jetzt geendet hatte, drängte sich das Reh durch die Menschen hindurch, stellte sich vor ihr hin, fiel nieder auf seine Knie. Und die Jungfrau schwang sich wie ein verklärter Engel auf des Tierleins Rücken, und lustig sprang nach dem Walde bei Connewitz. Die Jungfrau ward niemals wieder gesehen.

Verein der Freunde von Marienbrunn e.V. · Am Bogen 6 · 04277 Leipzig · Telefon 0341-8 77 32 58 · Gerd Voigt. Seite zuletzt geändert am 28.06.2011